Holly: Mal kurz zusammengefasst

Holly: Mal kurz zusammengefasst

„32 Jahre alt, wohnt in einem Haus mit Mini-Garten dafür aber einem tollen Schäbbischick, hat einen erstaunlich fehlerhaften Griff was Männchen angeht, aber ein tolles Herz, das ist meine Holly. Sie ist Teil meines Plans. Eigentlich ist sie der Kernpunkt. Sie ist die Einzige, die mein Zuhause, unser Zuhause, den Hof, retten kann. Sie ahnt noch nichts davon. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich irgendwie zu ihr durchdringe. Auch Menschen können lernen. Und schließlich steht viel auf dem Spiel.“

Goldauge - Foto privat

Als der Hof in Overbüll, der Heimat vieler Tiere, unter anderem auch eines neugeborenen schwarzen Katers, bedroht wird, muss etwas unternommen werden. Der Baby-Kater macht sich auf die Mission. Doch der Kommunikation Mensch-Tier steht noch einiges im Weg. Eine herzerwärmend lustige Geschichte voller spannender Begegnungen und Wendungen, die einen neuen Blick für Alltägliches eröffnet. Holly muss sich entscheiden, aber vor allem auch verstehen lernen, was ihr Herz (und Kater) wirklich wollen.“

Soweit der Klappentext.

– Dem ich gern einige Leseproben folgen lasse:

Karin Engel Foto Susanne Golnick

Ich bin übrigens Holly

Meinen richtigen Namen haben alle vergessen, weil ich seit 30 Jahren Holly genannt werde. Frau Holle war mein Lieblingsmärchen. Und später schwärmte ich für sämtliche Hollywoodstars und ganz besonders für Audrey Hepburn als Holly Golightly in „Frühstück bei Tiffany“. So elegant, so cool, so unglücklich, bis zum Happy End im strömenden Regen.

Also bin ich für alle Holly. Nicht ganz so elegant und cool wie Holly Golightly, aber auch ziemlich allein und ohne einen richtigen Plan, das heißt keinen Plan B.

Plan A hat sich vor kurzem von mir getrennt, oder sagen wir: wir haben uns voneinander getrennt. Sehr erwachsen, sachlich, alles easy.

Jetzt, zwei Monate später, dämmert mir, dass nicht alles easy ist.

Problem Nr. 1: mein Job.

Unsere gemeinsame PR-Agentur war nicht wirklich gemeinsam. Er war der Chef, ich seine Angestellte. Es spricht für ihn, dass er dennoch zugestimmt hat, dass wir Hamburg in zwei Zonen aufteilen. Er übernimmt den Westen, ich den Osten. Das klingt deprimierender, als es ist.

Zwischen Bergedorf, was im PR-Sprech Mountain Village genannt wird, und Sachsenwald residiert potentielles Klientel vom Feinsten – eine Stiftung für die Förderung der Künste, wo ziemlich konventionelle Künstler mit ziemlich viel Kohle gepampert werden, so dass sich mir gelegentlich der Verdacht aufdrängt, hier würden schwarze Kassen weiß gewaschen; ein TV-Event-Koch, der immer so aussieht, als gehörte er erst mal in eine Badewanne, bevor man ihm die Hand reicht, und ein frisch geschlüpfter Golfclub, der sich anschickt, mit Street- and Cross-Golf-Kursen der Giersch im gepflegten Grün des benachbarten Pfeffersack-Vereins von 1875 zu werden. Hier wohnt also viel Geld, das ganz bestimmt ganz dringend eine perfekte Multimedia-Public-Relation-Consultant, also mich braucht. Eigenlob war nie mein Ding, aber eine ordentliche Portion Selbstmotivation ist gewiss nicht sooo verkehrt, wenn man sein Leben gerade auf Reset gedrückt hat.

Problem Nr. 2: die Miete.

Weil ich keine Lust habe, meinem Ex in den Hotspots der Hamburger PR-Szene dauernd über den Weg zu laufen, habe ich hier in der Chrysanderstraße ein Haus gemietet. Was heißt hier: ein Haus. Es ist perfekt!

Am Rand des Gebiets gelegen, das Bergedorf seinen Namen verdankt, und das zärtlich vom gewundenen Lauf der Bille umschlungen wird, hübsche, geweißelte Gründerzeitvillen mit hübschen, gepflegten Vorgärten vis-a-vis, im Erdgeschoss zwei Räume mit gediegener, verglaster Schiebetür, Küche und Gäste-WC, oben drei Räume, Bad, Balkon, 300 Quadratmeter Rasen, der Wald gleich um die Ecke. Jedoch: die Miete ist zu hoch. Aber eben nur soviel zu hoch, als ich es mit circa 80 Stunden Arbeit pro Woche, null Privatleben und null dummen Gedanken an die Vergangenheit nicht doch locker wuppen könnte, einer Räumungsklage aus dem Weg zu gehen.

Problem Nr. 3: Stimmt was nicht mir mir?