Auftritt Kater!

Auftritt Kater!

Sechs Wochen alt und Mut für zehn!

Als ich wieder Zuhause bin, rufe ich so laut ich kann: „Wir müssen sie holen!“
Stille.
„Ich bin mit dem Raben geflogen und habe gesehen, warum ihr Angst habt.“
Mama faucht mich an.
Ich entgegne: „Katzen folgen ihrem freien Willen. Das hast du doch gesagt.“
„Wenn du groß bist, kannst du das tun“, erwidert sie in einem Ton, der keine Widerrede duldet. „Jetzt noch nicht.“
„Man kann nicht früh genug damit anfangen“, lässt sich nun eins der Schweine hören. „Ich wünschte, ich hätte als Ferkel den Mut gehabt, mich von einem Raben wegfliegen zu lassen.“
„Hier bist du doch gut aufgehoben“, meint ein anderes kauend.
„Aber wie lange noch? Wenn diese M …“, das Schwein schaudert und schweigt.
„Wie sollen wir es denn anstellen, Holly zu uns zu holen, Kleiner?“, fragt eine Kuh und blickt mich an, in ihren großen braunen Augen spiegle ich mich.

Goldauge auf der Treppe Foto: privat


„Wir … nun, wir gehen erst mal los und … fragen andere Tiere, ob sie was wissen.“
„Vorzüglicher Plan“, sagt der Hahn. Es klingt sehr von oben herab und deshalb fauche ich ihn an. Er wirft den Kopf zurück, so dass der Kamm zittert, dann beginnt er hinter der Kuh wichtigtuerisch auf und ab zu gehen, als hätte er hier und uns irgendwas zu bestimmen.
„Meinst du mit Wir uns alle?“, fragt die Kuh mit sanfter Stimme ohne dem Hahn Beachtung zu schenken.
Ich weiß nicht. „Ja. Obwohl…“
„Eine Gruppe von Tieren, die nicht einer Gattung angehören und auf Wanderschaft sind, wirkt verdächtig“, gibt die Kuh zu bedenken.
„Es müssen ja nicht alle dabei sein“, stimme ich zu. „Du und ich und …“
„Ich bin viel zu auffällig, so schwarzbunt. Ganz in Braun würde es vielleicht noch gehen, denn über das Braune sehen die Menschen gern hinweg, aber so, wie ich bin, kann ich dich nicht begleiten, so gerne ich es täte. Sie würden mich sofort wieder einfangen.“

„Wir können uns verstecken!“ schlage ich vor.
„Sie finden unseresgleichen immer. Einige haben es schon probiert, aber es ist ihnen nicht gut bekommen.“ (…)
„Wir werden dir auch keine Hilfe sein, fürchten wir.“ Die indischen Laufenten reden synchron, was lustig aussieht. „Unsere gestutzten Flügel schmerzen gelegentlich sehr und dann müssen wir eine Pause einlegen und du kommst nicht so schnell voran, wie es wünschenswert wäre.“
„Nun, wir hingegen sind zwar fix“, schaltet sich eine der mallorquinischen Ziegen ein. „Wir könnten dich begleiten …“
„…jedoch ist es besser, wenn wir unseren Stützpunkt hier nicht verlassen“, ergänzt die andere. „Sie haben sich daran gewöhnt, dass wir unter dem Fenster liegen und schöpfen keinen Verdacht. Wir können sie in aller Gottesruhe belauschen.“
Die Ziegen nicken einander zu. „Und wenn es etwas Neues gibt, schicken wir den Raben zu dir, der dich unterwegs auf dem Laufenden hält.“
„Sehe ich etwa aus wie eine Brieftaube?“ beschwert sich der Rabe. „Und woher soll ich wissen, wo der Kleine sich befindet? Soll ich etwa ständig hinter ihm her sein? Also wirklich!“
Nicht mal der will mir also helfen. „Gut, dann gehe ich eben allein“, sage ich.