Titel: Goldauge – die Interviews vorerst fünfter und letzter Teil

Titel: Goldauge – die Interviews vorerst fünfter und letzter Teil

Hier berichtet wieder der Kater Goldauge

Fortsetzung:

Der Rabe zupft an seinem Gefieder herum.
Ich: „Alles in Ordnung?“
Der Rabe brummig: „Ja.“
Dann etwas milder: „Tut mir Leid, Kleiner, das wird nichts, du bist zu schwer.“
Pause. Pause.
„Was willst du denn auch da?“
Während ich ihm den Grund meiner vereitelten Reise erläutere, hört er schweigend zu, bis er mir lakonisch das Wort abschneidet: „Finde den Fehler, Kleiner.“
Ich: ???
Der Rabe schwingt sich in die Luft und keckert von oben:
„Finde den Fehler! Finde die umständlichste, weil menschliche Herangehensweise!“

Dithmarschen-Mood-©-Susanne-Golnick

Ich schicke ihm mein wildestes Fauchen hinterher und einen echt wütenden Blick.
Erst als ich durch den sich allmählich lichtenden Rauch meiner Wut wieder klar sehen kann, wird mir klar, was er gemeint hat.
Ich brauche mich ja bloß ins morphogenetische Feld einzuklinken!
Da sind alle drin, egal in welchem Zustand… im Fleisch oder nicht mehr… Können Menschen übrigens auch. Machen sie aber nicht.
Aber ich. Also los!

Ich: „Halloooooo!“
„Uuups, wer spricht?“
Ich: „Ich.“
?
Ich: „Kater. Ich suche das Kalb, das aus dem Transporter gefallen ist.“
Okay. Hm. Also, das bin ich.
Ich: „Das ging aber schnell.“
Sicher. So läuft’s im Feld.
Ich: „Sag mal, wie war das, als du aus dem Transporter gefallen bist?“
Oh, das ist echt lange her….
Ich: „Aber du weißt es noch…“
Na, sicher. Ich bin übrigens nicht einfach gefallen, sondern habe die Gelegenheit ergriffen. Ich hatte auf ein Wunder gewartet und es kam.
Ich: „Warum hast du auf ein Wunder gewartet?“
Bist du schon mal in einem Viehtransporter gewesen?
Ich: „Nein.“
Solltest du nachholen, bevor du Fragen stellst, die sich von selbst beantworten. Hunger. Durst. Angst.
Ich: „Na entschuldige mal, der Transport sollte doch gar nicht zum Schlachthof gehen, sondern auf einen Hof, soweit ich weiß… wo du gemästet …“
Das wusste ich ja nicht. Außerdem befindet sich um jeden Transporter dieser Art ein Feld aus Blut, Tränen, Tod und Verderben, auf das sensible Wesen sofort reagieren. Und nebenbei, mein Freund, gemästet zu werden, ist auch nicht so toll.
Ich: „Verzeih, ich war taktlos.“
Was willst du eigentlich von mir?
Ich: „Ich möchte mit Tieren sprechen, die ausgerissen sind.“
Warum?
Ich: „Um herauszufinden, was Freiheit bedeutet, wie sich das anfühlt, wenn du nicht frei bist und dich befreien willst, wenn du es schaffst und es doch wieder verlierst, weil jemand glaubt, du seiest sein Besitz, was ja für ein Lebewesen per se völig absurd ist.
Eben. Es ist völlig absurd. Bei Nutzmenschen wird es ähnlich sein. Aber hier in Bayern haben wir noch nichts davon gehört, dass die sich befreien wollen.“
An dieser Stelle möchte ich mich gerne einklinken.
Ich: „Wer bist du?“
Ich bin die Penka.
Ich: „Ah, Klasse! Erzähl! Hast du deine Flucht lange planen müssen?“
Ich wollte nicht flüchten, ich wollte nur ein bisschen umherstreifen, hab mir nix dabei gedacht, war sehr schön. Was kam, als ich wieder Zuhause war, war nicht schön. Die Menschen haben sich aufgeregt und geschimpft. In dem Moment wäre ich allerdings wirklich am liebsten abgehauen. Aber das ging dann nicht mehr. Die haben wie die Schießhunde auf mich aufgepasst.
Ich: „Willst du es erneut versuchen?“
Nein, ich glaube nicht. Sie würden mich ja eh nur wieder einfangen. Geb ich halt Milch und erfreue mich an Gottes Gaben. Ich bin im Übrigen auch nicht sicher, ob ich noch eine Runde auf Erden drehen soll. Das Umherstreifen war wirklich schön. Sehr schön. Einfach so. Kein Ziel, kein Plan, nur so. Der Rest ist … so lala.
Ich: „Freiheit bedeutet also auch: nichts wollen?“

Fortsetzung folgt.