Goldauge – die Interviews, noch eins: Rinderwahnsinn

Goldauge – die Interviews, noch eins: Rinderwahnsinn

Fortsetzung vom letzten Sonntag

Namen und Rinderwahnsinn

Die Kuh: Also, das war so…

Ich: Wie heißt du eigentlich?

Die Kuh: Was tut das denn jetzt zur Sache?

Mann, ist die schlecht gelaunt. Ich: Na ja, ich dachte nur so, damit wir uns ansprechen können…

Die Kuh: Ich sag dir jetzt mal was, Goldauge. Soweit ich das mitbekommen habe, hast du deinen Namen von der Großen Katze erhalten, man könnte ja fast sagen: verliehen bekommen, wie einen Orden Pour le Mérite…!

Ich (indem ich mich unwillkürlich drei Zentimeter mehr gen Himmel strecke): Stimmt!

Die Kuh: Und wie gefiel dir der Sammelbegriff, den dir dein tolles Frauchen verpasst hat, mal abgesehen von den peinlichen Namen, die sie ebenfalls im Sinn hatte und denen du nur mit knapper Not entkommen bist? Aber Kater… Origineller geht’s nicht.

Ich: Das war schon okay. Hatte seine Gründe. War wegen eines Hollywood-Films.

Die Kuh: Echt?

Ich: Mit Audrey Hepburn. Die hieß in dem Film auch Holly und ihr Kater hieß Kater…

Die Kuh: Na, das hat dann ja wenigstens Stil. Aber wie nennen sie uns Kühe? Lisa, Mona…

Ich: Umgedreht wäre ja auch etwas prätentiös.

Die Kuh: Wie? Umgedreht?

Ich: Na, Mona Lisa.

Die Kuh: Ha ha. Veräppeln kann ich mich selbst.

Ich: Tschuldigung.

Die Kuh: Und wie findest du Ute, Monika, Greta…

Ich: Sind doch ganz schöne …

Die Kuh: Phhh! Langweilig ist das, sie geben sich für uns überhaupt keine Mühe!

Ich: Also erstens gibt es bestimmt Vertreterinnen deiner Gattung, die legendäre Namen tragen…

Die Kuh: Nenn mir eine! Nur eine!

Ich: Und zweitens drücken die Menschen durch bodenständige Namen ihre Nähe und Verbundenheit zu denen aus, die ihnen die Milch schenken. So kann man es ja wohl auch mal betrachten.

Die Kuh: Nenn mir eine!

Jeanne d’Arc der Kühe

Kuh Foto Susanne Golnick

Ich: Da gibt es eine… Jeanne d’Arc. Das Kalb wurde vor 21 Jahren zum Symbol des Protests gegen das Töten ganzer Herden.

Die Kuh (schluckt): Wieso wurden ganze Herden getötet?

Ich: Hatte was mit einer Gehirnerkrankung zu tun.

Die Kuh: Der Menschen?

Ich: Nee, der Kühe. Rinderwahnsinn hieß das. Die Kühe drehten durch und starben. War eine infiziert, mussten die anderen auch dran glauben.

Die Kuh: Wenn ein Mensch so was anordnet, hat er sich infiziert, da kannst du mir sagen, was du willst.

Ich: Das Kalb haben sie aber gerettet, sie gaben ihm den Namen der französischen Freiheitskämpferin und so wurde es fast so berühmt wie die.

Die Kuh: Verstehe. Nun, so ähnlich hatte ich mir das auch gedacht. Ich bin losgezogen, um mir einen Namen zu machen. Kuh ohne Grenzen – das war mein Favorit.

Ich: Bisschen schwierig mit der Ansprache, findest du nicht? Kuh ohne Grenzen, komm in den Stahall!!

Die Kuh (würdevoll): Wie die mich in den Stall kriegen, war nicht die Frage, die ganz oben auf meiner Liste stand. Ich hatte und habe eine Mission.

Ich: Und die wäre?

Die Kuh: Klarzumachen, dass, wenn eine Kuh türmen kann, dem Menschen es nicht schwerfallen sollte. Zu Deutsch: Beschränkungen, Einschränkungen, Grenzen gibt es nur für die, die zu bequem sind, sie zu überwinden.

Ich: Damit bist du nicht allein. Penka hat ebenfalls Grenzen überwunden, ihr könntet doch einen Verein gründen. Kühe ohne Grenzen.

Während die Kuh schweigend über meinen Vorschlag nachdenkt, melden sich drei weitere Stimmen zu Wort, zwei norddeutsche und eine bayrische, die von sich behaupten, mediale Geschichte geschrieben zu haben, doch ehe wir unser Gespräch beginnen können, höre ich Hollys Stimme. „Ihnen sind zwei Kühe ausgebüxt?“

Fortsetzung folgt am nächsten Sonntag.

Wer sich für Jeanne d’Arcs Geschichte interessiert: Webseite der Gemeinde Nindorf