Nutzmenschen?

Nutzmenschen?

Goldauge denkt nach: Gibt es Nutzmenschen?

Ich muss den Faden aufgreifen, den das Kalb aus Erlangen mir hingeworfen hat. Nutzmenschen. Aber erst einmal muss ich herausfinden, von welchen ausgebüxten Kühen Holly spricht. Mir scheint allmählich, es gibt mehr davon, als ich dachte.

Holly: Zum Kaffee nächsten Sonnabend bei Ihnen auf dem Groth-Hof? … Nee, ich bringe Kuchen mit. Wenn ich mich schon selbst einlade. Alles klar, super, ich freu mich. Bis denne.

Sie sieht mich kommen und ruft mir zu: Nächsten Sonnabend treffe ich den Mann, dessen Kühe monatelang auf Trebe waren. War sogar auf RTL.
Ich: Ist das ein Tier-Sender? Die haben ja auch meine Rückkehr gebracht!
Das hört sie aber schon nicht mehr. Wenn Holly recherchiert, ist mit ihr nicht zu reden.

Fragen an „die weiße Kanaille“

Ich schlendere wieder hinaus, ein bisschen gelangweilt, aber auch ratlos, mit wem ich über diese Frage sprechen kann, als mir die weiße Kanaille in den Sinn kommt, die sich schon während unseres letzten Abenteuers als recht belesen erwiesen hat. (An dieser Stelle empfehle ich Seite 133 meines Romans.)

Mein Maunzen wird nicht erwidert, natürlich nicht. Obschon sie seit einer ganzen Weile bei uns lebt, macht sie sich häufig rar. Lässt sich gerne bitten. Ich maunze erneut, breche aber wieder ab. Maunzen kann jeder. Vielleicht hilft es ihr auf die Sprünge, wenn ich meine Frage mit dem Wind in den Äther schicke: Gibt es Nutzmenschen?

Nutzmenschen-Foto-und-Montage-Susanne-Golnick-Menschen-von-Gerd-Altmann-auf-Pixabay

Gibt es Nutzmenschen?

Schon raschelt der Giersch und die schönste aller Katzen betritt die Szenerie. Damit sie nicht überschnappt, bleibt es aber bei: die weiße Kanaille.
Die weiße Kanaille: Sicher, es gibt ja auch Nutztiere.
Ich: Ich bin keins!
Die weiße Kanaille: Nun, ich auch nicht. Wir sind ja auch Katzen. Wir frönen dem reinen Sein…
Ich: Und unserem freien Willen!
Die weiße Kanaille: Tiere würden das auch gerne tun, aber sobald sie etwas besitzen oder produzieren, was ess- und/oder verwertbar ist, sind sie Nutztiere, die vom Menschen wirtschaftlich genutzt werden, weil sie das haben und können, was Menschen brauchen.
Ich: Dann sind Nutzmenschen Menschen, die von anderen Menschen wirtschaftlich genutzt werden, weil sie das haben und können, was Menschen brauchen.
Die weiße Kanaille: Na ja, Menschen legen keine Eier oder so. Und ihr Fleisch dürfen sie auch behalten. Also, Menschen werden nicht geschlachtet.
Ich: Da kann man anderer Ansicht sein. Frag mal einen, der jeden Tag acht Stunden vor einem Computer hockt, 14 Stunden Baumwolle pflückt oder Spargel schneidet, wie sich das anfühlt, wenn er denn noch was fühlt. Man kann auch Seelen schlachten. Das sind dann die mit dem stumpfen Blick.

Wir sehen uns an.
Unter unserem Lieblingsbaum, der jungen Kastanie, rollen wir uns zusammen, ganz eng aneinander geschmiegt, wissend, dass die Tage des Dunklen gezählt sind.

Nutzmenschen Foto und Montage Susanne Golnick – Menschengruppe von Gerd Altmann auf Pixabay