Per Jensen: Mit den Tieren im Gespräch

Per Jensen: Mit den Tieren im Gespräch

Per Jensen Wie Tiere fühlen - mit freundlicher Genehmigung des GeraNova Bruckmann Verlagshauses

„Wer daran zweifelt, dass unsere Nutztiere Gefühle und Empfindungen haben, muss nur ein Weilchen an einer Schafweide, einem Kuh- oder einem Schweinestall stehen bleiben und lauschen.“ sagt Per Jensen. Der renommierte schwedische Ethologe hat ein wunderbares Buch geschrieben, das Holly und ich allen Menschen empfehlen möchten.

Hier eine Kostprobe:

Per Jensen: Mit den Tieren im Gespräch

Wenn Schweine erzählen

Man braucht sich nicht lange in einem Hühner- oder Schweinestall aufgehalten zu haben, um eine wichtige Eigenschaft beider Tierarten zu entdecken: Sie geben unaufhörlich Laute von sich. Tatsächlich sind diese so intensiv, dass zur üblichen Arbeitsausrüstung vieler Bauern ein Gehörschutz gehört. Das ist eigentlich etwas schade, denn wenn man die Ohrenschützer abnimmt und gut zuhört, wird einem schnell klar, dass die Tiere viel zu sagen haben. Und sie hören nicht nur einan- der zu, sondern auch dem, was wir Menschen beizutragen haben.

Schweine grunzen, Kühe muhen, Schafe mähen und Hühner gackern – das wissen alle. Aber Grunzlaute können ganz unterschiedlich klingen und ein Muhen kann sehr viel bedeuten, abhängig davon, wie laut, tief und lang es erklingt. Die armen missverstandenen Hühner, die oft als »aufgescheucht gackernd« beschrieben werden, verfügen über mindestens 30 verschiedene Laute, die sie verwenden, um unterschiedliche Dinge zu kommunizieren. Jeder Laut wiederum kann in Intensität und Detailreichtum variieren, um die Botschaft nuanciert zu überbringen und an den Zuhörer anzupassen.

Per Jensen Foto von Linda Prieditis

Die Laute, die Tiere produzieren, sind außerdem einer der wichtigsten Schlüssel, um ihre Gefühle und Gedanken verstehen zu können.

Deutsche Forscher haben die Laute, die Schweine in unterschiedlichen Situationen von sich gaben, in die sie auf einem Hof geraten – z. B. wenn sie in Kontakt mit Menschen sind oder in einer neuen und unbekannten Umgebung zurechtkommen müssen – aufgenommen und analysiert. Zugleich hat man ihren Puls als Indikator für ihr Stressniveau gemessen.

Man fand heraus, dass die produzierten Laute sehr gut widerspiegelten, wie gestresst die Tiere waren. Tiefe, kurze Laute sind demnach typisch für ruhige und ausgeglichene Schweine. Wenn sie aufgeregt sind und Angst oder Schmerzen haben, werden ihre Laute heller, intensiver und lang gezogener. Es gibt also viele Gründe, genau hinzuhören.

Fotos und Text mit freundlicher Genehmigung des GeraNova Bruckmann Verlagshauses.
Copyright © Per Jensen und Natur & Kultur, 2018 Layout: Kristin LidströmFotografie: Linda Prieditis
Copyright © 2021 der deutschen Ausgabe: NG Buchverlag GmbH