Du, Mensch, ich nehm‘ dir das jetzt mal ab! – Interview mit Dr. Susanne Hauswirth

Du, Mensch, ich nehm‘ dir das jetzt mal ab! – Interview mit Dr. Susanne Hauswirth

Heute bin ich zu Besuch bei Dr. Susanne Hauswirth, die in Busdorf bei Schleswig eine ganzheitliche Tierpraxis führt: mit Präsenzsprechstunde, Online-Sprechstunde, Online-Shop und dem Service von Haus- und Stallbesuchen im Umkreis von eineinhalb Stunden sehr erfolgreich! Die Praxis ist hell und modern und besitzt eine wunderbare, lichte Ausstrahlung, dass Mensch wie Tier sogleich entspannt. Zur Begrüßung kommen mir drei freundliche Hundewesen entgegen: die Appenzeller Hündin Zoë, die Yorkshire-Dame Mia und der weise Rüde Quintus, ein 15 Jahre alter schwarzer Mops. Beim Interview liegen sie relaxed in der Kuschelecke des Behandlungszimmers.

Susanne Hauswirth mit Hunden in ihrer Tierpraxis Foto: © Karin Stahlhut
Susanne Hauswirth mit Hunden in ihrer Tierpraxis Foto: © Karin Stahlhut

Ganzheitliche Tierpraxis – was bedeutet das?

Unter Ganzheitlichkeit stelle ich mir vor, dass man jede Ebene eines Individuums beleuchtet. ich gucke natürlich auch, was macht die Ernährung, was macht die Seele, gibt es auf der emotionalen Ebene irgendetwas, was sich auf der körperlichen Ebene in diesem Schmerz niedergeschlagen hat. Also wirklich in jede Ecke gucken, auf jeder Etage, ob es da irgendetwas gibt, was für dieses Symptom oder für diese Problematik verantwortlich ist.

Kann es auch sein, dass sich auf der seelisch-emotionalen Ebene etwas abspielt, was sich noch nicht auf der physischen zeigt?

Das gibt es auch. Ich arbeite mit der Kinesiologie, da kann man dann auch prophylaktisch schauen, ob und was sich da anbahnt und wie wir das ablösen und wegarbeiten, so dass es sich gar nicht erst körperlich niederschlägt

Das ist so mein Credo… Kommt zweimal im Jahr vorbei und wir gucken, ob sich beim Tier irgendetwas angestaut hat, es muss nicht krank sein, da kann auch nur schon mal ein Haar krumm liegen oder ein gewisses Unwohlsein oder Unmut kann sich zeigen, dann machen wir einen Termin und checken das.

Das bedeutet auch, ich kann zu dir kommen und sagen, ich habe eine Trennung hinter mir, ein Umzug steht ins Haus, meinem Tier geht es gut, aber können wir schon mal prophylaktisch gucken?

Richtig.

Das bedeutet aber auch, dass ich sehr achtsam mit mir umgehen muss…

Ja, das ist das Schöne, man hat den Besitzer immer gleich mit im Boot.

Es ist immer eine Teambehandlung. Und das fällt auch unter Ganzheitlichkeit, man geht halt nicht alleine durchs Leben, die Vierbeiner sind Partner und gleichwertige Partner, was die Menschen, die zu mir kommen, auch so sehen und ihre Tiere halt auch so behandeln. Wenn ich sage, das Tier braucht fünf Mal am Tag Globuli, dann wird das auch gemacht.

Ich brauche die Compliance der Tierbesitzer, um das Tier zu behandeln, und letztlich hilft sich der Tierbesitzer damit auch selber. Weil das Tier den Besitzer spiegelt.

Susanne Hauswirth Foto ©Michael Staudt
Susanne Hauswirth Foto ©Michael Staudt

Diese Spiegelung – wie funktioniert das und warum spiegeln sie uns?

Ich sag immer, die Tiere kommen immer zum richtigen Besitzer, da findet sich immer ein passendes Team zusammen. Tiere sind auf der Welt, um uns natürlich auch ein bisschen was an Last abzunehmen, aber auch um uns zu helfen, den richtigen Weg zu finden. Viele Tiere sagen: Du, ich nehm‘ dir das mal ab, dann siehst du vielleicht besser, wo es langgeht… Ich nehme mal deinen Hüftschmerz oder gib mir mal deine Schilddrüsenerkrankung.

Bei einem Hund habe ich neulich eine Schilddrüsenunterfunktion ausgetestet. Da klatschte sich der Besitzer aufs Bein und rief: Ha, hab ich auch! Kann ich ihm die gleichen Tabletten geben? Nein, das nicht, aber hier zeigte sich deutlich, wie es laufen kann: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Aber wie funktioniert das?

Wir leben ja 24/7 zusammen, Hunde und Katzen sind sehr sensibel, aber auch das Verhältnis von Menschen und ihren Meerschweinchen, Mäusen und Ratten kann sehr innig sein. Da verkoppelt sich das emotionale Feld des Tieres mit dem des Menschen.

Spiegelt jedes Symptom des Tieres seine Besitzer?

Nein, die kommen auch mit eigenen Problemen. Die zeigen sie in der Familie, bei dem Menschen, weil sie es können, weil sie es dürfen und weil sie gehört werden. Die sagen: Wir gehen dem nach, wir gehen da nicht drüber weg. Das sehe ich besonders bei Pferden, die über die Uhr gedreht wurden, Leistungssport. Und nun ein neuer Besitzer, der sagt: Wir entspannen uns jetzt mal, dann reagiert das Tier, wie der Mensch, der im Urlaub erstmal zusammenklappt oder mit einem Infekt ins Bett muss.

Man sagt ja, der Körper spricht eine Sprache. Die Krankheit gibt mir einen Hinweis auf das, was bei mir nicht in Balance ist. Wenn ich erfahre, dass mein Tier Schilddrüsenprobleme hat, ich hab‘ noch keine, könnte ich auch fragen: Hm, was könnte die Erkrankung des Tieres mit mir zu tun haben? Was will der Körper des Tieres mir über diesen Umweg sagen?

Ja, und das machen inzwischen auch viele Menschen. Dank Corona muss man ja sagen, da gab es nochmal so einen richtigen Push in dieses: Ich fühl mal in mich hinein, wie geht es mir denn eigentlich? Es gab vielen die Möglichkeit, zu sich selbst zu kommen, sich zu reflektieren, man saß ja zuhause im Homeoffice, hatte nur sich, was macht man? Es ist schön zu sehen, wie feinfühlig die Menschen jetzt geworden sind.

Heute Morgen hatte ich zum Beispiel in der Hotline den Fall eines Hundes, der epileptische Anfälle hat. Die Tierbesitzerin sagte sofort, oh, ich glaube, das hat was mit mir zu tun! Oh, sage ich, haben Sie epileptische Anfälle? Nein, aber mir sind da ein paar Dinge geschehen, die mich an die Anfälle meines Hundes erinnern. Dann war ich in Urlaub, da hatte er keine Anfälle, ich war entspannt und hatte keinen Stress und der Hund war auch entspannt!

Im Alltag hängt quasi eine Gewitterwolke über ihr und die entlädt sich dann im Hund. Da ist klar: Die Frau muss aus dem Hamsterrad raus!

Nächsten Sonntag erfahrt Ihr, ob sich die Menschen denn danach richten, was das Tier ihnen sagen möchte!