Klare Worte – Interview mit Bernhard Honemann über „Nutzmenschen“

Klare Worte Interview mit Bernhard Honemann über „Nutzmenschen“

Nicht nur Goldauge und seine Interviewpartner machen sich Gedanken, ob es statthaft und naheliegend ist – da der Homo sapiens es sich herausnimmt, einen Teil unserer Mitgeschöpfe zu Nutztieren zu degradieren – im Gegenzug von Nutzmenschen zu reden. Auch einige kluge Leute haben darüber nachgedacht:

Bernhard Honemann Portrait Foto © Teresa Rothwangl

Eine Jugendsünde

sei es, erzählt Bernhard G. Honemann am Telefon, 2008 geschrieben, aber leider immer noch sehr aktuell. Auf www.nutzmensch.net und unter dem Suchmaschinen-Stichwort Nutzmensch pdf zeichnet der Autor aus der Steiermark pointiert und treffsicher die Welt der Nutzmenschen aus einer Perspektive der Rückschau auf diese unsere rückständigen Gesellschaften mit all ihrem Elend, der Ausbeutung von Mensch und Tier und des Planeten:

„Wie bereits erwähnt hatte eine Elite von 5% der Bevölkerung ein effektives, feudalistisches System global etabliert und kontrollierte 95% aller Ressourcen. Diese 5% Herrscher hielten sich die restlichen 95% der Menschheit als Nutzmenschen, um ihr eigenes, auf ewiges Wachstum aufbauendes Wirtschaftssystem, zu betreiben und auch um ihre gegenseitigen Streitereien um die Verteilung der Ressourcen untereinander auszutragen. Letzteres nannte man Kriege – oder politisch korrekter „Konflikte“.

95% der Individuen der Spezies Homo wurden von den 5% Herrschern als Nutzmenschen gehalten, kontrolliert, manipuliert und bewirtschaftet – dies betraf sowohl die Minderheit der Homo Vere-Sapiens, die wahrhaft vernunftbegabten Menschen, als auch die Mehrheit der Homo Quasi- Sapiens, die anscheinend vernunftbegabten Hominiden. 95% der Menschen befanden sich in mehr oder weniger bequemer, mehr oder weniger freiwilliger Sklaverei.

Es gab zwei diktatorische Systeme der Sklaverei anno 2010, das offen diktatorische und das quasi-demokratische. Man konnte diese gut mit der dazumal sehr populären industriellen Massenhaltung von Hühnern vergleichen: die offensichtlichen Diktaturen funktionierten weitestgehend wie Legebatteriehaltung. Die Nutztiere waren eingepfercht in enge Käfige, ohne jede Freiheit und wurden unter besonders grausamen Bedingungen gehalten. Es wurden ihnen weitestgehend jede Entscheidungsfreiheit genommen und der Zugang zur Außenwelt unterbunden.“

Sarkastisch, ja. Aber: Ist was dran, oder?

Die Pseudo-Demokratien entsprachen eher einer Freilandhaltung, in welcher den Nutztieren ein gewisses Maß an genau kontrollierter Freiheit gegönnt wurde, damit diese gesünder und produktiver der Eier- und damit auch der Hühnerproduktion nachgehen konnten. Die Nutztiere durften teilweise frei entscheiden, wo in ihrem Gehege sie gerade rumlaufen und picken wollten – sofern sie brav im Gehege blieben und Eier legten (oder sich schlachten ließen).

Auch lohnt die Lektüre von Larken Roses „Der Nutzmensch: Handbuch für den modernen Tyrannen“ (Kindle, 7, 50 €).

Die Ankündigung lautet wie folgt: Der ideale Nutzmensch hat befriedigte Grundbedürfnisse, ist bequem, relativ zufrieden, leicht ablenkbar, einfach zu unterhalten, selbstgefällig, behäbig, folgsam, berechenbar und intellektuell stinkfaul. Wer sein Wesen versteht, kann ihn domestizieren. Der Aufwand lohnt sich nicht nur finanziell. Menschen vollständig zu kontrollieren und zu beherrschen, macht Spaß und gibt einem das einzigartige und befriedigende Gefühl unbegrenzter Macht.

Buchcover Der Nutzmensch

Larken Rose beschreibt in diesem Handbuch alle wesentlichen Methoden und Techniken der Haltung glücklicher Nutzmenschen. Zahlreiche Tipps und Tricks helfen dem ambitionierten Tyrannen, seine Erträge zu maximieren und die Risiken zu minimieren. Auch für Menschen mit Freude am eigenen Leid ist dieses Buch ein wertvoller Ratgeber. Es zeigt ihnen, wie sie sich optimal für ein Leben als Nutzmensch vorbereiten können. Allen anderen Lesern gibt dieses Buch unterhaltsame und aufschlussreiche Einblicke in die kuriose Welt der Nutzmenschenhaltung.

Michael Kent

Zum Schluss kommt Michael Kent zu Wort, der in der Kent-Depesche 12/14/2022 das Thema Aussteigen beleuchtet und Parallelen von Nutztier zum Nutzmensch zieht:

„Nutztiere – das dürfte das Bild sein, das die sog. „Eliten“ von der Bevölkerung haben. Ohne Witz oder Sarkasmus: Ich glaube, sie betrachten die Menschen tatsächlich als eine Art Haus- und Nutztiere. Für die „Eliten“ hat die Masse keinen anderen Zweck, als für sie zu arbeiten, sich zu vermehren, emsig zu konsumieren sowie etwa sieben Zehntel ihrer Einkünfte (wenn man wirklich alles einrechnet) als Steuern, Gebühren, Abgaben und Zinsen abzugeben.
(…)
„Die Art, wie wir „Nutztiere“ halten, weist durchaus Parallelen dazu auf, wie wir als normale Arbeitsmenschen gehalten werden, Wir werden brav gefüttert mit allem, was wir brauchen, haben Obdach, Unterhaltung (Ablenkung), werden schön gedämpft, geimpft, entwildert, dürfen zwischendurch auch mal raus (wenn nicht gerade Corona ist), müssen gut angepasst in der Arbeitswelt der „Eliten“ funktionieren, wo wir regelmäßig all unsere Wolle abgeben, während die „besseren Menschen“ „eine bessere Position“ erhalten, in der sie andere Nutztiere überwachen dürfen.“

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Sabine Hinz Verlags