Kotau vor einem wunderbaren Wesen: Dodo

Kotau vor einem wunderbaren Wesen: Dodo

Dodo.

Es braucht nicht viele Worte, um einen Kotau vor einem wunderbaren Wesen zu betiteln. Der chinesische Künstler Liu Ruowang hat es uns zum Geschenk gemacht, silbern und überstrahlend wachte es auf der diesjäjrigen NordArt, geeignet, dass wir uns in ihm spiegeln und the seed of love and wisdom in uns finden und endlich für uns und alle Mitgeschöpfe keimen, wachsen und wuchern lassen, auf dass kein Dunkelanteil mehr Platz findet und es für alle Zeiten unmöglich ist, die Geschichte dieses wunderbaren Wesens sich wiederholen zu lassen.

Anders ausgedrückt: „Kennen Sie seine Geschichte?“, fragt mich ein freundlicher Mann, als ich den großen, silbernen Vogel und seine kleineren Geschwister auf der letztes Wochenende zu Ende gegangenen NordArt betrachte.

Liu Ruowang „Dodo“ www.nordart.de, Foto von Margitta Witt, Karin Engel und Dodo
Liu Ruowang „Dodo“ nordart.de,
Foto von Dodo und Karin Engel: Margitta Witt

„Hm, hm“, umpfe ich, um nicht zugeben zu müssen, wie lückenhaft es um mein ornithologisches Wissen bestellt ist. Als Holly in „Goldauge“ kann ich ja nicht mal eine Amsel von einem Pirol unterscheiden, auch dies eine der Ähnlichkeiten mit meiner Romanfigur, die nicht zufällig sind.

Das Drama um Dodo

Der freundliche Mann deutet meine Antwort richtig und skizziert mit wenigen Sätzen das Drama um den Dodo, das sich vor 300 Jahren auf der Insel Mauritius zutrug: Seefahrer gingen damals vor dem paradiesischen Eiland vor Anker, paradiesisch unter anderem deshalb, weil kein Mensch Fauna und Flora daran hinderte, sich unbehelligt von menschlicher Gier und Dumpfbackentum zu entfalten. So tappte der große, flugunfähige Dodo freundlich auf die Neuankömmlinge zu.

Die ihn daraufhin mit Knüppeln totschlugen.

Und aßen.

Und sich dann auch noch darüber beklagten, wie zäh sein Fleisch sei.

Was die Seefahrer nicht daran hinderte, seine Art ausnahmslos zu vertilgen.

2022, dem Jahr, in dem experimentierfreudige und auf das neue Sein in einer neuen, gereinigten Zeit eingestellte Menschen es mit Lichtnahrung oder wenigstens vegan versuchen und sogar den Verzehr von Blättern auf dem Speiseplan haben, gilt es, Vergebung zu üben und postum Licht und Liebe zu senden, auf dass die nächste Inkarnation dieser Übeltäter und Übeltäterinnen mit mehr Bewusstsein fürs große Ganze verlaufen möge.

Ich probiere es dagegen mit einem beherzten „Menschen sind Arschlöcher.“

Der freundliche Mann nickt mir zu.

Alles, was uns vom Dodo geblieben ist, sind durch Wissenschaft und Kulturbetrieb zusammentragene Einzelteile, eine Handvoll Knochen, seine DNA, seine Geschichte und seine literarische Karriere durch Lewis Carroll, der dem Vogel in „Alice im Wunderland“ eine dümmlich-tolpatschig geratene Rolle zuschanzte.

Vielleicht gibt es sie ja doch noch, vielleicht ist den blöden Seeleuten damals ein Paar durch die Fänge geraten, eines, das sich irgendwo auf diesem Planeten ein Zuhause geschaffen und sich fleißig vermehrt hat. Möge Dodosanien für immer beschützt sein!

Wer sich intensiver mit der Geschichte des Dodo befassen möchte, findet beim Deutschlandfunk eine gute, weniger polemische Zusammenfassung.

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